Please be Tina, not Janis!

2008-12-07

Der Insurrektor verbringt viel Zeit auf der Autobahn. Zuviel. Zum Glück gibt es da das Autoradio…

Meistens ist es beiläufiges Zeugs, was da so läuft. Hitparadenmusik. Mucke, eben. Manchmal ragt etwas heraus, der Insurrektor merkt sich das, besorgt sich das Album und bringt es in seine samstagnächtlichen Musiksitzungen ein. In der Regel fällt es da durch? Warum?

Verglichen mit dem normalen Radioprogramm war’s gut; verglichen mit dem Rest der Samstagnacht: “Okay, aber muß man das wirklich zweimal hören?” Selten bestätigt sich der relativ gute Eindruck aus dem Kontext des alltäglichen Hitparadenmülls.

Und genau da hörte der Insurrektor auch Amy Winehouse, zunächst Back to Black, dann Valerie. Und er besorgte sich mehr…

Amy Winehouse

Jeder kennt Amy: “Drogenexzesse” fallen einem ein. Skandälchen, wie eine geklaute Zeitung, die die Dame sich garantiert häte leisten können. Allerlei Zeugs, das uns die MSM (main stream media) so erzählen, um ihrer narrativ volksverdummenden Aufgabe gerecht zu werden.

Wir wissen nicht wirklich, ob Amy in irgendeine der Kategorien fällt. Vielleicht ist sie “drogensüchtig”, vielleicht spielt sie auch nur damit (um Aufmerksamkeit zu erzeugen) – immerhin ist sie nicht nur Opfer sondern auch Akteurin in dem Spektakel, in das die industrielle “Verwertung” der Musik die musikalische Rezeption verwandelt hat. Vielleicht ist die Winehouse wirklich irgendwie krank…

Sicher scheint, daß Amy mit etlichen Drogen gespielt hat. Wahrscheinlich hat sie dabei auch ihr Blatt gelegentlich überreizt. Man kennt das. Der Insurrektor erinnert sich zahlreicher Beispiele in den 1960ern und den 1970ern. Er möchte nur darauf hinweisen, daß zum Beispiel der “clean” erinnerte Countrystar Hank Williams sich buchstäblich zu Tode gesoffen hat; da war er weder der erste noch der letze.

Offenbar ist es in unserer Gesellschaft ein schlimmerer Skandal, wenn die Droge illegal ist. Aber es verbietet sich, diesen Faden (“Drogenpolitik als ABM für organisierte Kriminalität”) hier weiter zu verfolgen, weil er zu weit vom Thema abführte.

Kennst du Amy? Der Insurrektor kennt sie nicht, und er maßt sich auch kein Urteil über ihre Lebensführung an. Ist ihre Sache. Das Gelaber von Vorbildfunktionen der “Stars” ist ohnehin schwachsinnig und immer an existierende Vorstellungen gebunden, während wir uns offen halten sollten für alternative Entwürfe – die scheitern. aber auch gelingen können.

Janis oder Tina?

Zu Janis fällt dem Insurrektor neben etlichen brillanten Songinterpretationen vor allem “Southern Comfort” und eine üble – und tödliche – Heroin-Überdosierung ein. Zu Tina Turner, daß sie sowohl ihren prügelnden Ike als auch die überall lungernden alkoholischen wie heroinischen Versuchungen überstanden hat.

Der gravierende Unterschied besteht genau darin: Tina hat überlebt und ihr Talent danach weiter entfaltet; Janis blieb auf der Strecke und wir vermissen noch heute ihren nächsten Song.

Janis wurde zur Legende, weil sie gestorben ist. Ob sie ihr Niveau hätte halten können, weiß der Insurrektor nicht mehr als du.

Tina wurde ebenfalls zur Legende, genau weil sie überlebt hat. Sie hat ihr Niveau meistens gehalten, manchmal die Erwartungen übertroffen – und sie unterscheidet sich auch heute noch positiv von den üblichen Tenören, die auch mit 70 noch versuchen, den jugendlichen Liebhaber zu spielen. Sie hat nicht mehr die Dynamik und Präsenz in der Stimme, aber sie kompensiert das, irgendwie. Viel Arbeit, gewiß.

Die eine wurde zum Opfer, ewig in Erinnerung als innovativ, die andere hat uns über Jahrzehnte mit exzellenter Musik und Show versorgt. Ist das eine Wahl? Der Insurrektor weiß es nicht…

Back to Amy

Auf der Autobahn machte sich Amy also gut. Wie würde sie sich im Kontext der (für den Insurrektor) Großen, Guten machen. Wie gesagt fallen fast alle durch.

Nicht so Amy Winehouse. Sie reiht sich ein. Sie besteht neben den Turners und Dylans und Cohens, neben Who und Roger Chapman, neben Cash und Led Zeppelin, Metallica und Dolly Parton.

Auch mehrmals hintereinander spielen schadet ihr nicht. Sie ist eine Hoffnung der “populären Musik”. Amy ist ein Ausnahmetalent, wie Tina, wie Janis. Aber wohin wird sie gehen?

Aller Drogenquatsch, der momentan über sie geredet wird, muß relativiert werden. Amy wird ihren Weg gehen, und der Insurrektor kann nur hoffen, daß sie innovativ bleibt (wie Janis) und überlebt (wie Tina)

Wünschen wir: “Please, be Tina, not Janis.”


Follow

Bekomme jeden neuen Artikel in deinen Posteingang.