Braucht es noch Nachweise dafür, daß Politiker und Medien die BundRep in eine Massenpanik stürzen, weil Google ein paar Autos durch’s Land schicken, die Straßen, also öffentliche Bereiche, abfotografieren will? Wohl kaum, aber wenn doch, mag man sie sich etwa beim Spiegel holen. Oder noch einfacher: Google for it!
Dem Insurrektor fällt es allerdings schwer, angesichts der hier hervortretenden Heuchelei sein Frühstück bei sich zu behalten. Sind diese Großverteidiger des Datenschutzes nicht dieselben Gestalten, die keine wirklich grundsätzlichen Bedenken haben, das Land mit Batterien von Überwachungskameras teils staatlicher und halbstaatlicher, teils privatwirtschaftlicher Provinienz zu überziehen?
Diese Figuren ereifern sich jetzt darüber, daß´vielleicht ein Männlein zufällig beim Betreten eines Sexshops geknipst werden könnte, unkenntlich gemacht, selbstverständlich, finden ansonsten aber nichts dabei, daß derselbe Sexshop alle seine Kunden und Besucher systematisch und permanent aufnimmt. Und, daß die Polizei den gesamten rot beleuchteten Distrikt systematisch mit Voyeurismus überzieht.
Um die Garstigkeit des googleschen Angriffs auf unser informatorisches Selbstbestimmungsrecht zu unterstreichen, verweisen die Animateure des Volkszorns dann noch darauf, daß der Konzern alle Suchanfragen aller Nutzer mitsamt Computerdaten über lange Zeit speichert. Perfide, nicht wahr?
Verschwiegen wird dabei nur, daß lediglich die IP-Adresse gespeichert wird, die sehr einfach anonymisierbar ist, so daß ein personalisiertes Googleprofil nicht mehr trivial erstellt werden könnte.
Parallel rechtfertigt man dann mit obskurantischen Verbrechensvorbeugungsparolen eine systematische Vorratsdatenspeicherung für den staatlichen – und teils auch den privaten Zugriff. Und für diese Zugriffe stehen dann auch die Auflösungen der anonymisierten IP-Adressen zur Verfügung.
Sind diese medialen Laberer und politischen Süppchenkocher nur dumm, oder könnte es sein, daß da etwas mehr hintersteckt?
Wenigstens erreichen sie zwei Ziele: Sie spielen sich zu Datenschützern auf, die sie wahrlich nicht sind. Und sie schaffen es, die Datenschutzdebatte in eine Google-Debatte zu verwandeln, die sie wahrlich nicht sein sollte.
Man kann gegen Google vieles vorbringen, und dem Insurrektor behagt vor allem nicht, wie bereitwillig sich “Google Deutschland” zum Vollstreckungsgehilfen deutscher Zensur macht, Seiten nicht auftauchen läßt und unliebsame Suchergebnisse von den ersten Seiten fernhält.
Aber gemessen an der pathologischen Datensammelwut des Staates ist Google ein Waisenknäblein. Lassen wir uns also nicht für dumm verkaufen:
Lieber Google Street View als State Total View.
Verfasst von insurrektor