Ich gebe es zu: die aktuelle SPIEGEL-Titelgeschichte “Macht das Internet doof?” habe ich nicht gelesen. Manche Texte schrecken mich bereits durch ihre Überschrift ab, und nicht oft finde ich in mir die Bereitschaft, den Widerwillen zu überwinden. Der neueste SPIEGEL-Titel gehört dazu. Vermutlich werde ich sie nie lesen: Manche Fragen sind eben so blöd, daß man die Antwort dessen, der sie gestellt hat, wahrlich nicht mehr braucht, um treffend mit einer Gegenfrage zu antworten. Mein Titel tut genau das.
Der Untertitel – “Vernetzt, verquatscht, verloren” – auf dem Google Layout Cover des Hamburger Nachrichtenmagazins, des einstigen Flaggschiffs bundesdeutschen Journalismus, tut ein Übriges, mir den Appetit zu verderben.
Fazit: Wen der SPIEGEL nicht verdummt bekommt, der hat auch im Internet nichts zu fürchten. Umgekehrt bin ich mir da nicht sicher. Augstein, ruhe sanft, und bitte unterlasse das Umdrehen im Grab angesichts deiner Erben. In den seismographischen Instituten gehen die Erdbebenalarme schon auf Orange Alert
Im Ernst: schon der Artikel über Blogs in Deutschland war eine inhaltsentleerte Zumutung. Zwar ist im Vergleich zur US-Szene die deutschsprachige Blogosphäre erkennbar kurzatmig und unterbelichtet. Trotzdem wird sie allmählich besser, was man von den klassischen Medien eben nicht behaupten kann.
Eigentlich wollte ich damals spontan über diese “Beta-Blogger”-Charade bloggen, aber vielleicht ist es besser, daß ich es nicht getan habe – von wegen strafrechtlicher Relevanz nach § 192 StGB (Beleidigung trotz Wahrheitsbeweises).l
Insgesamt verfestigt sich bei mir der Eindruck, daß der SPIEGEL die Konkurrenz auf dem Informationsmarkt fürchtet und deswegen ziellos auf die eher anarchische virtuelle Informationsgesellschaft einprügelt. Konkurrenz belebt für “Gamma-Journalisten” eben nicht das Geschäft, sondern nur den AdrenalinSPIEGEL…
“Der Untertitel – “Vernetzt, verquatscht, verloren” – auf dem Google Layout Cover des Hamburger Nachrichtenmagazins, des einstigen Flaggschiffs bundesdeutschen Journalismus, tut ein Übriges, mir den Appetit zu verderben.”
Lieber Insurrektor, der Spiegel ist immer noch das Flaggschiff des deutschen Journalismus, nur Kurs und Qualität der Flotte haben sich verändert.
Leider kann ich dem nicht widersprechen, wenn ich auch denke, daß der SPIEGEL in den Jahrzehnten, die ich ihn beobachte, stärker nachgelassen hat als andere “Schiffe” der Flotte. Geringere Verschlechterungen beobachte ich bei der ZEIT, der TAZ, sogar bei der Süddeutschen, der Frankfurter Rundschau und der ebendortigen Allgemeinen…
Ich stelle fest, daß der Insurrektor die Zeit und die TAZ seltener liest als den Spiegel; anders kann ich mir diesen Irrtum nicht erklären. Wenn die TAZ sich wirklich weniger verschlechtert hat, als der Spiegel, dann muß die TAZ früher schon sehr, sehr schlecht gewesen sein…
[...] In letzter Zeit hat das Internet ordentlich auf die Mütze bekommen. Zuletzt warnte Der Spiegel mit großem Aufmacher (zu großen Teilen »inspiriert« von The Atlantic) vor drohender Massenverdummung und löste heiße Debatten damit aus, natürlich auch und gerade in der sog. Blogosphäre (siehe u.a. hier, hier, hier, hier und hier). [...]
[...] Information und “Doofheit” Vor ein paar Wochen brachte der Spiegel seine reißerisch aufgemachte Internetschelte unter der BILD-würdigen Überschrift “Macht das Internet doof?” heraus. Darüber ist viel diskutiert worden, und auch der Insurrektor konnte sein Lästermaul nicht heraushalten. Auf die Schnelle zimmerte ich ein paar vorsätzlich etwas polemisch-provokante Zeilen zusammen. [...]