Nach Lidl, Telekom, Lufthansa und anderen, die aufzuzählen nur die Länge dieses Splitters mehrte, ohne den Informationsgehalt zu erhöhen, nun also auch Gerling. Die Financial Times Deutschland schreibt heute:
Der Kölner Konzern Gerling hat Telefon- und E-Mail-Zieldaten eigener Mitarbeiter ausspioniert. Ziel war es, eine undichte Stelle in dem Versicherungskonzern zu finden.
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Bei Gerling habe es mehrere solcher Aktionen gegeben, hieß es in den Kreisen. Ein Talanx-Sprecher sagte, das Unternehmen habe nach der Anfrage der FTD einen Fall aus 2004 gefunden. Talanx geht davon aus, dass legal vorgegangen wurde.
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Damals gab es zahlreiche Presseberichte, die auch auf Quellen innerhalb des Gerling-Konzerns beruhten. Deshalb ordnete die Konzernleitung offenbar Rechercheaktionen an. Im konkreten Fall ging es nach FTD-Informationen um einen Bericht im Magazin „Capital“, der im Februar 2004 erschien und sich mit den gekürzten Betriebsrenten bei Gerling beschäftigte. Talanx wollte den Namen nicht bestätigen. Es seien aber in einem Magazin streng vertrauliche Betriebsinterna erschienen. „Deshalb war anzunehmen, dass eine Weitergabe durch Gerling-Mitarbeiter erfolgt war“, teilte Talanx mit.Weiter heißt es: „Mit dem Ziel, eine erneute Weitergabe streng vertraulicher Betriebsinterna zu unterbinden, ließ die Konzernrevision der Gerling Konzern Beteiligungs-AG eine Überprüfung des dienstlichen Telefon- und E-Mail-Verkehrs für den Zeitraum vom 26. Januar 2004 bis zum 4. Februar 2004 durchführen.“ Dabei sei der Telefon- und E-Mail-Verkehr nach Zieltelefonnummern und E-Mail-Adressen durchsucht worden. Inhalte seien nicht betroffen gewesen.
Selbstverständlich geht Talanx/Gerling davon aus, diese Bespitzelungen wären legal und „gerechtfertigt“ gewesen. Die „Weitergabe von Geschäftsgeheimnissen sei eine solche rechtswidrige Nutzung“, die es erlaube, „Bestandsdaten“ zu erheben und zu nutzen. Deswegen wird der Konzern auch keine rechtlichen Schritte einleiten.
Offenbar gehen diese Konzerne nicht nur davon aus, daß ihre Mitarbeiter auf ihre vertraglichen Pflichten sch…en, sondern auch davon, daß diese so dumm wären, dies über dienstliche Telefone und Emailkonten zu tun. Ganz schön dumm, die Großkopferten bei Gerling und anderswo, aber ganz so dumm waren die Informanten, so es sie gegeben hat, nicht:
Nach Angaben aus Unternehmenskreisen war die Aktion aus Sicht von Gerling nicht erfolgreich. Den betroffenen Mitarbeitern hat Talanx bisher nicht mitgeteilt, dass Telefon- und E-Mail-Daten untersucht wurden.
Ich denke, es ist legal und legitim, bei konkretem Verdacht auf Verrat von Betriebsgeheimnissen, Untersuchungen einzuleiten. Z. B. in Form von Strafanzeigen gegen Unbekannt. Es mag legal sein, aber keinesfalls ist es legitim, wenn Konzerne in einer lynchartigen Aktion einen Generalverdacht schöpfen und auf eigene Faust herumspitzeln. Und es mag vielleicht üblich sein, aber es ist dennoch feige, dann nicht einmal die menschliche Größe zu besitzen, sich bei den Mitarbeitern vor dem publizistischen Auffliegen der Aktion zu entschuldigen.
Wenn private Institutionen wie Konzerne so etwas tun, ist das schlimm, aber es bestraft sie vielleicht der Markt. Wie die FT kommentiert:
Viel entscheidender aber ist der Umstand, dass sich die Unternehmen auf Dauer mit dem Bespitzeln eher selbst schaden. Der Imageverlust ist um einiges größer als der oft kümmerliche Ertrag, den die internen Ermittler liefern. Auch im Fall Gerling soll die Aktion ohne Erfolg geblieben sein.
Mitteilsame Mitarbeiter werden Wege finden, ihr Wissen unbemerkt weiterzugeben. Das negative Bild eines misstrauischen Konzerns aber bleibt.
Wer bestraft aber den Staat (bzw. seine Agenten), wenn er (sie) sich zu gleichartigen Bespitzelungen in großherrlicher Manier aufschwingt? Sich selbst noch die legale Freigabe dazu erteilt? Kritik an der Legitimität wegbürstet? Und verfassungsgerichtliche Restriktionen mit dem Knüppel der Grundgesetzänderung zu erschlagen sich anschickt?